Marianne Foster


The Dance Experience

Marianne Forster gründete 1981 The Dance Experience nach ihrer Heimkehr aus New York mit dem Ziel, den Tanz - insbesondere den modernen/zeitgenössischen Tanz - zu fördern. Zu dieser Zeit gab es noch kaum freie Kompanien. Es stand kein Geld zur Verfügung, um professionelle Tänzer zu engagieren und es gab nur wenige Tänzer, die eine volle zeitgenössische Ausbildung absolviert hatten.

Um zu zeigen, dass Professionalität im zeitgenössischen Tanz auf der Bühne existiert, beschloss Forster ihre guten Verbindungen in die USA zu nützen und amerikanische Tänzer in die Schweiz zu holen. Für diese organisierte sie Tourneen in der Schweiz und im grenznahen Ausland, die nicht nur Auftritte, sondern auch Workshops und Lecture Demonstrations umfassten. Der erste Gast war 1981 Richard Haisma, mit dem der legendäre Basler Sommerworkshop für Tanz in den Turnhallen des Gymnasiums Bäumlihof seinen Anfang nahm. Der erste Auftritt seiner Tournee, die immerhin 5 Spielorte umfasste, kam im prallvollen Palazzo Liestal zustande, wo erst die Wände gemalt und geliehene Scheinwerfer der Baselbieter Schulen installiert werden mussten. Damit war The Dance Experience ein erfolgreicher Einstieg gelungen.

Tanzförderung an allen Fronten hiess auch, die 1979 begonnene tanzjournalistische Arbeit weiterzuführen, wo mit der Übernahme der Redaktion von "Tanz & Gymnastik" des gleichnamigen etablierten Schweizerischen Berufsverbandes ein Pflock eingeschlagen wurde. Marianne Forster unterrichtete seit 1981 in verschiedenen Räumen in Untermiete, anfänglich in der Austrasse und im Altersheim Weiherweg, dann an der Rufacherstrasse, in der Steinenvorstadt und am Wettsteinplatz. Das Fernziel war, ein eigenes Studio zu eröffnen.

Die Expansion nach gelungenem Anfang wurde in den Jahren 1982-84 durch Ereignisse im privaten Umfeld gebremst - Krankheit und Tod in der bereits dezimierten Familie führten zu grossen zusätzlichen Belastungen und der im Dienste der Uni Basel erlittene Kreuzbandriss Ende 1982 führte infolge verspäteter Diagnose zu bleibenden körperlichen Einschränkungen und behinderte die praktische Tätigkeit. Trotzdem wurden die Basler Tanzsommer und die Tourneen ausgebaut und als Kursleiter auch in den USA lebende junge Schweizer Profis engagiert, um ihnen in der Schweiz Präsenz zu ermöglichen. Es gab damals nur wenige Orte, wo Tanz gezeigt werden konnte, aber es war eine Zeit des Aufbruchs. Auch die Anfänge der Basler Kaserne fielen in diese Zeit, wenn sich auch viele Besucher/innen vorerst genierten, diese alternative Bühne zu frequentieren und man links und rechts des Eingangs mit Vorteil zwei starke junge Männer postierte, die unerwünschte Gäste fern hielten.

1985 ergab sich die Gelegenheit für die Clavel Stiftung einzuspringen, deren Veranstaltung "Tanz im Wenken" durch eine Absage gefährdet war. Zusammen mit Marlis Berner gestalteten wir kurzfristig den Event unter dem Titel "Nachfolger des deutschen Ausdruckstanzes". Offenbar mit Erfolg, denn 1987 folgten "Mary Wigman einst und heute" und 1990 "Modern Dance, USA-Europa-Schweiz". Damit hatte ein weiterer Aspekt in die Arbeit von The Dance Eperience Einzug gehalten: Die praktische und theoretische Verknüpfung von Gegenwart und Vergangenheit des modernen Tanzes. Ebenfalls 1985 kuratierten Marlis Berner und Marianne Forster zusammen mit dem Theater Basel das erste Festival der freien Schweizer Szene auf der kleinen Bühne.

Im Frühwinter entdeckte Kollege Jost Osswald den Raum am Spalentorweg. Im Januar 1986 wurde der Vertrag unterschrieben und im Mai wurde The Dance Experience Studio eingeweiht. Die neuen grossen Räume der ehemaligen Druckerei Gissler - endlich ohne Säulen und sonstige Hindernisse - waren inspirierend und konnten dank Schiebewand mit wenig Aufwand in einen einzigen grossen Raum verwandelt werden. Die Basler Sommerworkshops fanden weitere 10 Jahre lang in den eigenen vier Wänden statt. Top-Dozenten übten grosse Anziehungskraft auf Teilnehmer/innen aus aller Herren Länder aus. Die Studiogruppe wurde gegründet und tanzte u.a. an der Einweihung der Elisabethenkirche. Vorprofessionelle SchülerInnen wurden soweit möglich durch Putzstipienden und den Dance Experience Stipendienfonds unterstützt. Marianne Forster setzte ihre journalistische und tanzhistorische Tätigkeit fort. Auf die Redaktion von Tanz & Gymnastik folgte die Newsredaktion von Tanz der Dinge, Beiträge zu Publikationen für Zeitschriften, Tanz- und Theaterlexika, Vorträge und die Übersetzung der Hälfte von Mary Wigmans Briefen an Hanya Holm in die amerikanische Sprache. Von Zeit zu Zeit entstanden Choreografien, erst für die Studiogruppe, später teilweise mit aus dem Ausland zurückgekehrten Ehemaligen. Ausser den Sommerworkshops mit internationalen Kapazitäten fanden unzählige weitere Intensiv- und Wochenendkurse statt, nach Einbau der Beleuchtungsanlage vermehrt auch Vorstellungen und Performances sowie tanzhistorische Veranstaltungen. Immer wieder probten Choreografen mit ihren Gruppen im Studio. Das Cathy Sharp Tanzensemble wurde im Studio gegründet.

Seit 20 Jahren organisiert The Dance Experience im Frühlingsquartal CH-Auditions für die führenden Londoner Ausbildungsschulen, 10 Jahre lang für London Contemporary Dance School und 2010 zum zwanzigsten Mal für Laban. Dort, aber auch an Schulen in USA, Australien, Holland, Deutschland und Österreich haben ehemalige Schüler/innen ihre Tanzausbildung mit Diplomen, bez. BAs / BFAs abgeschlossen. Solange es auf schweizerischer und regionaler Ebene kaum Möglichkeiten gab, sich über verschiedene Aspekte des zeitgenössischen Tanzes zu informieren war The Dance Experience auch eine Art Auskunftsbüro, das von baulichen Fragen über Hilfestellung beim Gesucheschreiben, Auftrittsmöglichkeiten, Stellvertretungen, Literaturhinweisen bis zur Ausbildungsberatung über professionelle Schulen für modernen/zeitgenössischen Tanz im Ausland reichte.
Daneben lief der normale Betrieb im Studio - unterbrochen von Jubiläen wie das DanceXfestival zum 20-jährigen Bestehen oder von Katastrophen wie Einbrüche oder - am 8. Juni 2007 - der Überschwemmung des gesamten Studios. Zu dieser Zeit war bereits klar, dass die Leitung des Studios an die langjährige Untermieterin Beatrice Holm weitergereicht würde.

Rundum erneuert und mit neuem Tanzteppich versehen konnte die Übergabe am 1. Oktober 2007 stattfinden und die Wiedergeburt des Studios unter dem neuen Namen "Semiramis" gefeiert werden.

The Dance Experience jedoch gibt es weiterhin - der Unterricht im Studio wird ebenso fortgeführt wie Sonderveranstaltungen. Und gelegentlich wird The Dance Experience wieder mit einer Überraschung aufwarten.